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“Ich würde es jederzeit wieder tun...”
Christian Brendecke hat es geschafft. Mit dem Comrades- ”Marathon” bewältigte er im Juni 2005 einen der schwie- rigsten, aber auch faszinierendsten Ultraläufe der Welt. Im Folgenden berichtet er über seinen 90-Kilometer-Lauf von Pietermaritzburg nach Durban.
3.00 Uhr....der Wecker klingelt; stockdunkel – schon wieder Rennsteig? Der Blick ins Zimmer zeigt, die Umgebung ist eine andere. Die äußeren Bedingungen aber sind ähnlich:
3.00 Uhr Wecken! 3.15 Uhr Frühstück am Hotelbufett! 3.45 Uhr Abfahrt mit dem Bus!
Gespannt sitzen alle, vor allem die, die die gleiche Strecke wieder zurücklaufen wollen, mehr oder minder in sich versunken, auf ihren Sitzen. Erste Fragen stellen sich: Kommen wir gut nach Pietermaritzburg? Finden wir schnell unseren Startblock? Sind Toiletten da? Und, und, und…..
Am Schluß wurden alle Fragen über den Haufen geworfen. Es herrscht ein Riesenandrang; unser Bus kommt nur noch im Schneckentempo vorwärts und kommt schließlich ganz zum Stehen; der Countdown läuft - nur noch 10 Minuten bis zum Start. Dann heißt es: Verabschiedung von unseren lieben Begleitern - ganz flüchtig und auf im Laufschritt Richtung Start.
Kaum in der Nähe des Startblockes, kurze Orientierung, und schon gab es statt des angekündigten Hahnenschreies einen dumpfen Kanonenschuß, pünktlich 5.30 Uhr ging es los. Eine nicht übersehbare Masse von mehr als 14.000 Läufern setzte sich, bei Temperaturen um 4 Grad und tiefster Dunkelheit, in Bewegung. Die breiten Straßen der ersten Kilometer in Pietermaritzburg sind von Straßenlaternen gespenstisch beleuchtet, und trotz nachtschlafener Zeit säumen tausende von Zuschauern die Strecke. Die Atmosphäre ist ungaublich!
Nach 10 km wurde es langsam heller und man sah am Rauhreif am Straßenrand, daß es auch im heißen Afrika Winter gibt!
Nach 21 km dann wurde mir das T-Shirt, welches ich mir gegen die frühmorgendliche Kälte übergezogen hatte, zum Verhängnis. Plötzlich höre ich einen Ordner rufen, ich solle meine Nummer sichtbar machen; ich drehe mich rum, hebe das Hemd und…. bums… liege ich auf der Straße. Just in diesem Moment war ein Straßenschild im Weg. Nun wußte ich ganz genau, wie weit es noch war: persönlich und mit ganzer Körperlänge nachgemessen: 68 km!
Doch bei der tollen Organisation des Comrades war es dann kein Problem, an der nächsten Wasserstelle ärztlich versorgt zu werden. So ging es mit Armverband und schmerzender Hüfte weiter. Aber bei dem immer weiter steigenden Adrenalinspiegel ob der unglaublichen und vorher kaum geglaubten Anteilnahme der Zuschauer merkte ich bald nichts mehr von den Schmerzen, sondern genoß einfach die Faszination dieses Laufes.
Dann der “half way point” nach etwa 4 Stunden und 40 Minuten: Ich wollte es nicht glauben, daß ich bis dahin außer der Verarztung nur im vorgenommenen Tempo gelaufen war. Auch die Stimmung unter den Läufern in meiner Umgebung wurde lockerer, denn nun hatte man ja für den Rest (nur noch einen Marathon und 3 km mehr) fast 7 Stunden locker Zeit.
Aber die Strecke ist anspruchsvoll. Es kommen noch mindestens drei steile kurze Anstiege, und es geht gnadenlos aus fast 450 m Höhe, überwiegend auf Autobahnen, also „Mindestgeschwindigkeit“ gefragt, bergab. Unvorstellbar auch hier, entlang der Strecke kaum eine Stelle, wo nicht Partytime angesagt war. Und nicht nur die Stimmung ist toll, sondern es gibt auch aktive Anteilnahme und Unterstützung. Davon konnte ich mich selber überzeugen, als ich, statt nur Wasser und Elektrolyt bei einer der zahlreichen Verpflegungsstellen zu nehmen, im Vorbeilaufen Kaffee und Kuchen sah! Kurzer Stopp und gefragt: “Can I get a cup of coffee?”, und schon flitzte jemand los und ich bekam nicht nur den Kaffee, sondern auch noch Kuchen! Kurzer Austausch nach dem Woher? – Ah, Germany!! und weiter ging es.
Endlich dann die Stadt Durban in Sicht! Noch etwa 10 km, Blick auf die Uhr, ungläubig sah ich noch einmal hin. Mensch, da ist doch eine Zeit unter 10 Stunden dicke drin! Dann, 3 km vor dem Ziel, eine Gruppe von etwa 150 Läufern vor mir, ein Stau? Einer trägt eine Stange mit der Zielzeit 9:15! Mit zusammengebissenen Zähnen und einer Riesenvorfreude im Kopf – vorbei und vor der Meute ins Stadion. Die Anzeige zeigt 14Uhr 44 Minuten. Noch ein paar Kurven im Rund des Cricketstadions, und plötzlich sind da auch laute Rufe und am Rand entdecke ich meine Familie und ein paar der neu gefundenen Freunde unserer kleinen Reisegruppe – stehen bleiben, Foto schießen und weiter Richtung Ziellinie.
Und so, wie ich es in Berichten gesehen und gehört habe: ohrenbetäubender Lärm und Beifall für jeden begleiten die Läufer auf den letzten Metern. Und dann noch namentlich und gepriesen für meine Zeit mit 60 Jahren, als Gast aus Germany über die Lautsprecher begrüßt zu werden, das rundete den Tag und den Lauf als großartiges Erlebnis ab!
Fazit: Ich würde es jederzeit wieder tun….
Außerdem Dank an meine beiden Frauen Angela und Grit und an alle meine Lauffreunde, die an mich geglaubt haben!
Ergebnisse der Teilnehmer der Reisegruppe von Top Trail Tours: (Im Ziel gesamt etwa 12 200, davon etwa 2000 Frauen !)
Bernd Juckel 7:09:14 Platz 345 Ralf Knodel 7:48:34 Platz 890 Karsten Rybka 8:14:18 Platz 1365 Sascha Kostadinovic 8:38:44 Platz 2030 Nicole Kresse 8:53:34 Platz 2686 Christian Brendecke 9:13:46 Platz 3356 Kurt Brennert 9:30:51 Platz 3924 Matthias von Helden 10:14:25 Platz 5677
Vorbericht:
12. Juni 2005 (Eig. Bericht): In Südafrika ist der Lauf längst ein nationales Ereignis. Von einem Kriegsveteran zur Erinnerung an seine im Ersten Weltkrieg gefallenen Kameraden (Comrades) ins Leben gerufen, gilt der Comrades Marathon über 87 Kilometer von Pietermaritzburg (KwaZulu Natal) nach Durban heute als einer der spektakulärsten Ultraläufe weltweit. Im 80. Jahr seiner Austragung wird sich mit Christian Brendecke erstmals auch ein Akteur von Motor Nord gemeinsam mit rund 16.000 Läuferinnen und Läufern dieser einzigartigen läuferischen Herausforderung stellen.
“Mit der Teilnahme am Comrades erfüllt sich für mich ein seit vielen Jahren gehegter Lauftraum”, zeigte sich Christian kurz vor dem Abflug nach Johannesburg gegenüber laufen-motor-nord.de voller Vorfreude auf dieses südafrikanische Abenteuer. Nach seinem starken Auftritt beim Rennsteig-Ultra vor knapp vier Wochen und aufgrund seiner guten Vorbereitung darf sich der frisch gebackene AK 60-Läufer berechtigte Hoffnung machen, das Ziel am Indischen Ozean deutlich vor dem nach zwölf Stunden erfolgenden Zielschluss zu erreichen.
Bereits um 5.30 Uhr wird die Läuferschar am 16. Juni im Pietermaritzburg (700 Meter über Meer) auf die endlos lange Strecke nach Durban geschickt. Die Fernsehkameras des südafrikanischen Fernsehens werden die Teilnehmer zwölf Stunden lang begleiten und die Veranstaltung landesweit live übertragen. Entlang der Strecke findet ein großes Volksfest statt, das die Läufer immer wieder motiviert und antreibt. Eine perfekte Organisation, viele begeisterte Zuschauer und natürlich vor allem die individuelle Betreuung durch seine Familie werden für Christan hoffentlich die richtige Motivation sein, um die ungeheuren Strapazen des Ultralaufes zu bewältigen. Die Laufkameradinnen und -kameraden von Motor Nord drücken kräftig die Daumen.
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